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Buchpreis festlegen: Die 70-Prozent-Grenze und was am Ende bleibt

Buchwerk-Ratgeber · 5. September 2026

Der Preis ist die einzige Stellschraube, die du in dreißig Sekunden ändern kannst — und die einzige, bei der ein Euro mehr weniger Ertrag bedeuten kann. Wer bei KDP die Tantiemenregeln kennt, setzt den Preis nicht nach Gefühl, sondern nach Rechnung.

E-Book: die 70-Prozent-Grenze

KDP bietet zwei Tantiemenmodelle an, 35 % und 70 %. Das 70er ist nicht frei wählbar — es gilt nur, wenn dein Nettopreis zwischen 2,99 € und 9,99 € liegt (und einige weitere Bedingungen erfüllt sind, unter anderem, dass du das Buch nirgends günstiger anbietest). Darüber und darunter bleiben 35 %.

Beim 70er-Modell zieht Amazon zusätzlich Übermittlungskosten nach Dateigröße ab. Bei einem reinen Textbuch sind das Cent-Beträge; bei einem bildlastigen Ratgeber ein spürbarer Posten — ein Grund, Bilder vor dem Hochladen zu komprimieren.

Zwei Zahlen zum Vergleich, gerechnet mit dem deutschen Buch-Mehrwertsteuersatz von 7 %:

  • 4,99 € Verkaufspreis: netto rund 4,66 €, davon 70 % = etwa 3,26 € je Verkauf
  • 12,99 € Verkaufspreis: netto rund 12,14 €, davon 35 % = etwa 4,25 € je Verkauf

Der Preis ist also mehr als doppelt so hoch, die Tantieme aber nur rund 30 % höher — und du verkaufst bei 12,99 € mit ziemlicher Sicherheit deutlich weniger Exemplare. Genau deshalb ist 9,99 € eine Wand: Ein Cent darüber kostet dich die Hälfte deiner Marge.

Taschenbuch: 60 Prozent minus Druckkosten

Beim Print on Demand gilt eine andere Formel. Für Verkäufe über die Amazon-Shops bekommst du:

Tantieme = 0,60 × Nettopreis − Druckkosten

Die Druckkosten hängen von Seitenzahl, Format und Farbe ab. Du musst sie nicht schätzen: KDP zeigt sie beim Einstellen für dein konkretes Buch an und nennt gleichzeitig den Mindestpreis, unter dem du nicht veröffentlichen kannst.

Ein Beispiel mit angenommenen Werten: Bei 14,99 € Verkaufspreis sind das netto rund 14,01 €. Davon 60 % ergibt 8,41 €. Nennt KDP dir für dieses Buch 3,20 € Druckkosten, bleiben rund 5,20 € je verkauftem Exemplar.

Über die erweiterte Distribution in den Buchhandel sinkt der Satz auf 40 % — dieselbe Formel, deutlich weniger Ertrag.

Zwei Dinge folgen daraus:

  • Seitenzahl ist Geld. Ein großzügiger Satz mit viel Weißraum liest sich schöner und kostet dich bei jedem einzelnen Exemplar.
  • Rechne mit dem Nettopreis. Wer die Mehrwertsteuer vergisst, rechnet sich pro Buch systematisch zu reich.

Die deutsche Buchpreisbindung

In Deutschland unterliegen Bücher der Preisbindung: Du legst als Verleger den Preis fest, und alle Händler müssen ihn nehmen. Das hat für dein Marketing eine konkrete Folge — befristete Rabattaktionen gibt es hier nicht in der Form, wie sie im englischsprachigen Markt üblich sind. Kindle Countdown Deals bietet Amazon deshalb nur im US- und UK-Shop an.

Den Preis dauerhaft zu ändern, ist dagegen jederzeit möglich. Plane also nicht mit Aktionswochen, sondern setze von Anfang an den Preis, bei dem das Buch stehen soll.

Was in der Praxis funktioniert

Als Ausgangspunkte für deutschsprachige Sachbücher und Ratgeber:

  • E-Book: 4,99 bis 7,99 € für ein Buch mittleren Umfangs. Unter 2,99 € verlierst du das 70er-Modell und signalisierst zusätzlich geringen Wert
  • Taschenbuch: 12,99 bis 19,99 €, abhängig von der Seitenzahl
  • Der Abstand zwischen beiden Ausgaben sollte deutlich sein — er macht das E-Book zum offensichtlichen Angebot und das Taschenbuch zum bewussten Kauf

Und die Probe aufs Exempel: Sieh dir an, was die drei bestverkauften Titel deiner Nische verlangen. Wer dreimal so teuer ist wie sein Regal, verkauft nicht mehr, sondern gar nicht.

Fazit

Beim E-Book endet die gute Marge bei 9,99 €, beim Taschenbuch entscheidet die Seitenzahl über den Ertrag, und in Deutschland ist der einmal gesetzte Preis für alle Händler verbindlich. Rechne einmal mit den echten Formeln durch, bevor du veröffentlichst — es ist die Viertelstunde mit dem besten Stundenlohn im ganzen Projekt.

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